Klingt wie der Beginn eines schlechten Witzes, oder? Aber es ist wahr: Meine sechsundsiebzigjährige Oma, die bis vor zwei Jahre nicht mal wusste, wie man eine SMS schreibt, hat mich an einem verregneten Sonntagnachmittag an die Wand gespielt. Und ich rede nicht von Skat oder Mensch ärgere dich nicht – ich rede von einem Online-Casino. Die Frau, die früher immer sagte „Mit Glücksspiel gibt man nur sein Geld weg“, die jeden Cent zweimal umdrehte, bevor sie ihn ausgab, die mir eine halbstündige Predigt hielt, als ich mit achtzehn das erste Mal an einem Automaten in der Dorfkneipe zehn Euro verzockte. Diese Frau saß plötzlich vor ihrem nagelneuen Tablet – angeschafft von meiner Mutter, damit sie „mit der Zeit geht“ – und hatte mehr Ahnung von Bonusprogrammen als ich nach drei Jahren Studium. Aber fangen wir von vorne an.
Ich war zu Besuch bei meiner Oma im Saarland, so ein Pflichtbesuch, den man als Enkel so macht, wenn man ein schlechtes Gewissen hat, weil man sich seit Weihnachten nicht mehr gemeldet hat. Normalerweise verlaufen diese Besuche nach dem gleichen Muster: Kaffee, selbstgebackener Kuchen, alte Fotos, und dann erzählt sie mir, dass ich zu dünn bin und mir endlich eine Freundin suchen soll. Aber an diesem Sonntag war alles anders. Der Regen prasselte gegen die Fenster ihrer kleinen Wohnung im ersten Stock, der Kuchen war aufgegessen, und ich saß gelangweilt auf dem Sofa, während Oma in der Küche das Geschirr spülte. Ich scrollte durch mein Handy, wie es die Jugend von heute so macht, und plötzlich hörte ich aus dem Wohnzimmer ein Geräusch, das ich nicht einordnen konnte. Ein musikalisches Klingeln, gefolgt von einem „Oh!“ und einem leisen Glucksern.
Ich schaute um die Ecke. Meine Oma saß in ihrem Sessel, das Tablet auf dem Schoß, und tippte mit ihren arthritischen Fingern auf dem Bildschirm herum. Vor ihr leuchtete ein Slot – bunte Früchte, drehende Walzen, all das. Ich blinzelte, dachte, ich sehe nicht richtig. „Oma? Was machst du da?“ Sie hob den Kopf, lächelte verschmitzt – dieses Lächeln kannte ich nur von früher, wenn sie mir heimlich ein zweites Stück Kuchen zugesteckt hatte – und sagte: „Ich spiele. Das ist mein neues Hobby.“ Ich setzte mich neben sie, starrte auf das Tablet, und sie erklärte mir, völlig selbstverständlich, dass sie das schon seit ein paar Monaten mache. Eine Freundin aus ihrem Seniorenclub, die viel jünger sei, erst zweiundsiebzig, habe ihr das gezeigt. Sie hätten zusammen angefangen, immer mit kleinen Beträgen, nur zum Spaß. Aber dann, vor drei Wochen, habe sie tatsächlich etwas gewonnen – nicht viel, aber genug, um neugierig zu werden.
Ich war sprachlos. Meine Oma, die immer alles hinterfragte, die mir beigebracht hatte, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt, die einmal einen Staubsaugervertreter so lange mit Argumenten traktiert hatte, bis er weinend das Haus verließ – diese Frau spielte jetzt Online-Casino. Sie zeigte mir stolz ihr Konto, die getätigten Einzahlungen, die Auszahlungen. Alles sauber dokumentiert, in einer kleinen Excel-Tabelle, die sie selbst erstellt hatte. Natürlich. Meine Oma ist immer noch Buchhalterin im Herzen. „Schau mal“, sagte sie und tippte auf den Bildschirm. „Hier spiele ich am liebsten.“ Sie öffnete einen neuen Tab und landete auf
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. „Die Seite ist gut. Da gibt es eine Übersicht, und die Regeln sind klar. Kein komisches Kleingedrucktes. Das mag ich.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Einerseits war ich besorgt – was, wenn sie süchtig wird? Andererseits sah sie glücklicher aus als seit Jahren. Ihre Augen leuchteten, sie redete mit einer Energie, die ich schon lange nicht mehr an ihr gesehen hatte. Also beschloss ich, erstmal zuzuschauen. Sie zeigte mir ihre Strategie. Immer nur zehn Euro pro Woche, nie mehr. Ein festes Budget, das sie vom ihrem wöchentlichen Taschengeld abzweigte. Sie spielte nur Slots mit niedrigen Einsätzen, meistens nur ein paar Cent pro Drehung. Und wenn sie gewann – was gelegentlich passierte – dann freute sie sich wie ein Kind über ein Weihnachtsgeschenk. „Es geht nicht ums Geld“, sagte sie, während sie die Walzen drehte. „Es geht um das Gefühl. Um diese kleine Spannung. Ob ich heute Glück habe oder nicht. Und wenn nicht, dann ist es auch okay. Es ist wie ein kleines Abenteuer, jeden Tag.“ Sie klang weiser als jeder Philosoph, den ich je gehört hatte.
Dann fragte sie mich, ob ich nicht auch mitspielen wolle. Ich zögerte. Meine Erfahrungen mit Glücksspiel waren, nun ja, durchwachsen. Einmal hatte ich an einer Firmenfeier zwanzig Euro in den Automaten gesteckt und nichts zurückbekommen. Ein anderes Mal hatte ein Kumpel mich überredet, online zu spielen, und ich hatte mich nach zehn Minuten gelangweilt. Aber meine Oma schaute mich mit diesen großen, erwartungsvollen Augen an – die gleichen Augen, mit denen sie mich als Kind angesehen hatte, wenn sie mir eine neue Geschichte vorlesen wollte. Also gab ich nach. Ich setzte mich neben sie auf das Sofa, sie reichte mir das Tablet, und ich registrierte mich auf der Seite, die sie mir gezeigt hatte. Ich lud mir zwanzig Euro auf – mein eigenes Geld, nicht ihres – und begann zu spielen. Meine Oma kommentierte jeden Dreh, gab mir Tipps, wie eine Trainerin, die ihren Schützling anfeuert.
„Nicht so hektisch“, sagte sie, als ich zu schnell klickte. „Lass die Walzen auslaufen. Genieß den Moment.“ Ich hörte auf sie, atmete tief durch, und spielte bewusster. Und tatsächlich – es fühlte sich anders an. Nicht dieses gierige, hektische Klicken, sondern etwas Langsames, fast Meditatives. Ich gewann ein paar Euro, verlor ein paar, mein Konto pendelte. Nach einer halben Stunde stand ich bei ungefähr demselben Betrag wie zu Beginn. Aber ich hatte Spaß gehabt. Echten, unerwarteten Spaß. Meine Oma strahlte. „Siehst du? Es geht nicht ums Gewinnen. Es geht um die Zeit, die wir hier zusammen verbringen.“ Sie hatte recht. In all den Jahren war das der erste gemeinsame Nachmittag, an dem wir nicht über alte Zeiten oder die Verwandtschaft redeten, sondern einfach da waren, nebeneinander, und uns über dieselbe Sache freuten.
Und dann passierte es. Ich drückte auf Start, und plötzlich explodierte der Bildschirm. Goldene Sterne, eine laute Fanfare, die ganze Hütte. Meine Oma klatschte in die Hände wie ein kleines Mädchen. Ich hatte einen Bonus getroffen, einen dieser seltenen, von denen man immer hört, aber nie selbst erlebt. Die Walzen drehten sich, die Gewinne kletterten, und meine Oma zählte mit: „Zehn, zwanzig, fünfunddreißig, fünfzig!“ Ihre Stimme wurde immer höher, ihre Hände klopften auf die Sofalehne. Am Ende, als der Bonus vorbei war, standen über achthundert Euro auf meinem Konto. Aus zwanzig. Ich schaute auf das Display, dann auf meine Oma. Sie lachte, umarmte mich, und sagte: „Das ist mein Junge!“ In diesem Moment war ich nicht der erwachsene Enkel, der sie besuchen kam. Ich war wieder der kleine Junge, der stolz seine erste selbstgemalte Karte überreichte.
Ich beantragte die Auszahlung sofort – meine Oma bestand darauf. „Geld, das man nicht ausgibt, ist nur eine Zahl auf dem Bildschirm“, sagte sie. Also ließ ich mir sechshundert Euro auszahlen, den Rest ließ ich für eine nächste Runde mit ihr. Wir verbrachten den restlichen Nachmittag damit, über ihre Taktiken zu reden, über die verschiedenen Slots, über die Live-Spiele, die sie noch nicht ausprobiert hatte, weil sie zu aufregend aussahen. „Vielleicht nächstes Mal“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. „Dann bringst du den Kuchen mit, und ich zeige dir, wie man Roulette spielt.“ Ich musste lachen. Meine Oma. Roulette. Die Welt stand wirklich Kopf. Aber es fühlte sich gut an. Richtig gut.
Als ich später an diesem Abend nach Hause fuhr – das Geld war schon auf meinem Konto, schneller als gedacht – dachte ich über den Tag nach. Meine Oma hatte mir mehr beigebracht als jede Anleitung oder jeder Ratgeber. Sie hatte mir gezeigt, dass man auch mit sechsundsiebzig noch neue Dinge entdecken kann. Dass Glück nicht immer laut sein muss, sondern manchmal leise kommt, auf einem Tabletdisplay, zwischen zwei Tassen Kaffee. Und dass die besten Gewinne die sind, die man mit Menschen teilt, die man liebt. Ich habe mir fest vorgenommen, öfter zu Besuch zu kommen. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ich diesen Nachmittag nicht missen möchte. Und ja, ab und zu gehen wir zusammen auf
vavada.solutions/de/ – sie mit ihrer Excel-Tabelle, ich mit ihrem Kuchenrezept im Kopf. Bisher habe ich nie wieder so viel gewonnen wie an diesem Sonntag. Aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass meine Oma mich abgezockt hat – nicht am Spieltisch, sondern im Herzen. Und dafür bin ich ihr ewig dankbar.